Kirchen und Klöster

Dass alles Sakrale in der Gegend seit jeher keine unwesentliche Rolle spielt, ist kein Geheimnis. Welche kunstgeschichtlichen Schätze die hiesigen Kirchen und Klöster hüten und in welcher Vielseitigkeit, das dürfte jedoch nur den wenigsten Ortsunkundigen geläufig sein. Da ist die schlichte Kapelle, die sich als Heim einer außergewöhnlich kunstvollen sakralen Figurendarstellung von Weltrang entpuppt. Die Wallfahrtskirche mit faszinierend prunkvollen Altären, mit reichen Stuckaturen und prächtigen Schnitzereien in „schwäbischem Rokoko“. Oder auch das ruhig und idyllisch gelegene Klosterareal … 

Übersicht

Stiftskirche St. Cyriakus
Kirchplatz 1
73349 Wiesensteig

Die beiden wuchtigen Türme der Stiftskirche St. Cyriakus dominieren das Stadtbild von Wiesensteig, der Innenraum überwältigt durch seine Fülle und Schönheit. Herausragend ist sicherlich der prachtvolle Hochaltar des Ellwanger Stuckateurs Melchior Paulus. Auch der aus Wiesensteig stammende bayrische Hofbildhauer Johann Baptist Straub, sein Mitarbeiter Joseph Streiter, der Maler Christian Wink aus München und der Freskenmaler Josef Anton Huber aus Weißenhorn waren beteiligt. Das ehemalige Benediktinerkloster wurde um 1130 in ein Chorherrenstift umgewandelt. In den zurückliegenden zwei Jahrhunderten wurden immer wieder bauliche Veränderungen vorgenommen, so dass sich hier Gotik, Barock und Klassizismus die Hand reichen.

Evangelische Stiftskirche in Bad Boll
Kirchplatz 5
73087 Bad Boll

Nach einigen Renovierungen zeigt die Stiftskirche St. Cyriakus in Bad Boll vor allem innen inzwischen wieder das markante Bild der romanischen Pfeilerbasilika mit einem hohen Mittelschiff, niedrigen Seitenschiffen und einer flachen Holzdecke. Kirchen und Klöster 84 | 85 Gräfin Berta von Ravenstein aus dem Geschlecht der Staufer stiftete um 1140 die Kirche, die zu den ältesten und bedeutendsten des Landkreises zählt. Erbaut wurde sie auf den Fundamenten eines früheren Gotteshauses, und selbst die Vorgängerkirche war nicht das erste Gotteshaus an diesem Platz, wie Bohrungen ergaben.

Pfarrkirche St. Martinus
Schlossstraße 2
73072 Donzdorf

Die erste Gründung der Pfarrkirche St. Martinus wird für das 8. Jahrhundert angenommen. Das heutige Kirchengebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde 1777 völlig umgebaut. In der Donzdorfer Pfarrkirche sind mit der Gruftkapelle, der Taufkapelle und der Antoniuskapelle drei Kapellen integriert. Besonders erwähnenswert sind die herrlichen Deckengemälde des Kirchenmalers Joseph Wannenmacher sowie zahlreiche historisch interessante Grabmäler der Grafen von Rechberg.

Pieta Nenningen
Friedhofstraße 8
73111 Lauterstein

Freiherr Max Emanuel von Rechberg konnte auf seine guten Beziehungen zum bayrischen Hof in München bauen. Beim dortigen Hofbildhauer Franz Ignaz Günther bestellte der Patronatsherr eine Pietà, um die neu erbaute Nenninger Friedhofskapelle auszuschmücken. Im Dezember 1774 wurde die ausdrucksstarke Skulptur Marias mit dem Leichnam des vom Kreuz genommenen Jesus Christus angeliefert. Die aus Lindenholz geschnitzte Figurendarstellung sollte die letzte des Bildhauers sein, der im Juni des Folgejahres verstarb. So ist noch heute am Originalplatz in der kleinen am Ufer der Lauter stehenden Kapelle ein überragendes, handwerklich und künstlerisch anspruchsvolles Werk des späten südwestdeutschen Rokoko zu bewundern.

Johanneskirche Gingen
Pfarrstraße 8
73333 Gingen an der Fils

Die im spätgotischen Stil erbaute evangelische Johanneskirche mit ihrem mächtigen Wehrturm ist das Wahrzeichen der Gemeinde Gingen und ein kunsthistorisches Juwel. Sie beherbergt einen Taufstein aus dem 16. Jahrhundert, sehenswerte Grabsteine und eine aus dem Jahr 1524 Kirchen und Klöster 82 | 83 stammende, erhaltene Kassettendecke. Noch aus vorreformatorischer Zeit stammt das großformatige Fresko zum Jüngsten Gericht an der Ostwand des Kirchenschiffs. Besonders berühmt ist die Kirche für ihre Türoberschwelle aus dem Jahr 984 mit der ältesten steinernen Kircheninschrift im deutschsprachigen Raum.

Stadtkirche Geislingen
in der Fußgängerzone: Kirchstraße 2
73312 Geislingen an der Steige

Der 63 Meter hohe Turm der großen dreischiffigen Pfeilerbasilika überragt markant die Fachwerkhäuser in der Geislinger Altstadt. Von 1424 bis 1428 errichtet, ist sie ein Werk der Ulmer Münsterbauhütte und ihres Baumeisters Hans Kun. Der expressive Schnitzaltar von Daniel Mauch von ca. 1510, das figurenreiche Chorgestühl aus der Werkstatt Jörg Syrlins von 1512 und zahlreiche Grabmäler und Totenschilde von Ulmer Patriziern legen wie das gesamte Bauwerk eindrucksvolle Zeugnisse dieser Baukunst ab.

Ave Maria
Ave Maria 1
73326 Deggingen

Überregional bekannt als „Stuckwunder“ thront die Wallfahrtskirche Ave Maria über Deggingen. In diesem herausragenden Beispiel des schwäbischen Rokoko verschmelzen Stuck und Vergoldungen zum Gesamtkunstwerk, gekrönt noch von einem fantasievollen Hochaltar, der das Gnadenbild der Muttergottes aus dem 15. Jahrhundert umrahmt. Die hübsche Kirche mit dem angeschlossenen Kapuzinerkloster in ruhiger, idyllischer Lage ist lange schon ein beliebter Wallfahrtsort, der auch heutzutage von vielen Menschen zum Beten und zur Einkehr aufgesucht wird. Erbaut wurde Ave Maria in den Jahren 1716 bis 1718.