Geologie

Pittoresk anmutende Höhlen, reiche Fossilienvorkommen und jäh aufragende Felsklippen wie die markante Hausener Wand im Oberen Filstal formen ein Landschaftsbild, das seinesgleichen sucht. Daher wurde die Schwäbische Alb 2002 als Nationaler GeoPark anerkannt. Seit 2015 ist sie auch UNESCO Weltgeopark.

Das Pliensbachium ist eine Stufe des Jura, die in der Erdgeschichte dem Jura zugeordnet wird. 

Wie es für die Menschheitsgeschichte einen historischen Kalender mit Epochen gibt, so wurde auch in der Geologie ein erdgeschichtlicher Kalender entwickelt. Dieser spiegelt die Entwicklung des Lebens auf der Erde wieder. Die Gesteine unserer Heimat sind während der Jura-Zeit (Jura-System 205-135 Millionen Jahre) im Erdmittelalter entstanden. Der Jura wird weiter in die Serien Unter-, Mittel- und Ober-Jura gegliedert - die nächste Unterteilungsebene sind sogenannte Stufen. Diese Stufennamen sind nach Lokalitäten benannt, in denen die typischen Fossilien vorkommen. Eine dieser Lokalitäten ist Pliensbach, ein Teilort der Gemeinde Zell unter Aichelberg. Im Jahre 1856 beschrieb Albert Oppel einen Teil des Unteren oder Schwarzen Juras als "Pliensbach-Gruppe". 1962 wurde auf einem internationalen Kongress das Pliensbachium als international gültiger Standard festgelegt. Seitdem heißt überall auf der Welt ein Zeitabschnitt der Erdgeschichte Pliensbachium.

Der Vulkanschlot Aichelberg kann Spannendes über den Vulkanismus auf der Schwäbischen Alb erzählen. Als er noch aktiv war, lag die Landoberfläche 250 Meter höher als heute. Mit der Zeit wurden Gesteine abgetragen. Dadurch wurde der Vulkanschlot freigelegt und blieb stehen, da sein Gestein widerstandsfähiger war. Heute nehmen wir ihn als weit sichtbare Erhebung in der Landschaft wahr.

Im Tertiär, vor 17 bis 11 Millionen Jahren durchschlugen Gesteinsschmelzen in Eruptionsröhren das Juragestein. Dabei wurden Trümmer älterer Gesteine mit nach oben gebracht, die sich mit dem vulkanischen Material mischten. Sie sind heute als verschiedenfarbige, kantige Stücke im grauen Vulkangestein zu erkennen. Das so entstandene Gestein nennt man Basalttuff.

Ein beeindruckender Zeuge der vulkanischen Prozesse ist die „Sinkscholle“ am Aichelberg, ein 100 x 200 Meter großes Stück Jurakalkstein, das damals von oben in den Vulkanschlot gerutscht ist.

An den Hängen des tief eingeschnittenen Gosbachtals sprudelt Quellwasser, aus dem kontinuierlich Kalk abgeschieden wird. So bildete sich im Laufe der Jahrtausende eine mehr als 20 Meter hohe Kalktuffterrasse, über deren Rand sich das Wasser ergießt.

Etwas unterhalb befindet sich eine Mariengrotte. Diese meist künstlich geschaffenen Schreine mit Marienbildnis sind in Süddeutschland sehr verbreitet und teilweise der Lourdes-Grotte nachempfunden. Hier befindet sich eine Marienstatue in einer seltenen Primärhöhle, einem natürlichen Hohlraum, der durch die Bildung von neuem Kalktuff entstanden ist.

Kalktuff kann je nach Bedingungen wenige Zentimeter pro Jahr wachsen und bildet hier einen steinernen Überhang, die sogenannte "Nase". Hat diese Gesteinsbildung nach langem Wachstum eine gewisse Größe erreicht, bricht sie durch ihr Eigengewicht ab und eine neue "Nase" wächst. Zuletzt geschah das am 23. August 2020. Den sonst kaum wahrnehmbaren Prozess der Landschaftsbildung kann man hier live erleben.

Orte mit Kalktuffbildungen sind wertvolle Lebensräume und sehr verletzlich gegenüber äußeren Einflüssen. Bitte unbedingt auf den Wegen bleiben!

Naturschutzgebiet „Hausener Wand“ mit Hungerhalde und Heiligenhalde

Die „Hausener Wand" am Südwesthang des Michelsbergs ist eine 250 Meter steil aufragende Felswand und ehemaliger Bergsturz im Oberen Filstal. Sie ist von großer geologischer Bedeutung und zeigt in eindrucksvoller Weise die Schichten des Weißen Jura. Die Wechselfolge der Kalk- und Mergelkomplexe, insbesondere im Weißen Jura g, sowie die Bildung der Schwammkalke im Weißen Jura d, ist dort vortrefflich zu beobachten. Am Hangfuß sind die Schichtpakete des Bergsturzes als Rutschungen abgelagert.

Nach dem Kahlenstein ist auch die 150 Meter lange Kahlensteinhöhle benannt. Sie ist die größte von etwa 50 Kleinhöhlen rund um den Kahlenstein. 1892 wurde sie als Schauhöhle geöffnet, seit 1972 allerdings zum Schutz mit einem Gitter verschlossen.

Frei zugänglich ist hingegen das wenige Meter unterhalb liegende Kahlenloch. Die kurze, aber dennoch schöne Durchgangshöhle kann ohne Taschenlampe begangen werden.

zur Kahlensteinhöhle

Das Mordloch bei Böhmenkirch-Steinenkirch zählt für die Höhlenforschung zu den interessantesten Höhlen der Schwäbischen Alb. Bei Regenfällen steigt das Wasser in der Höhle sehr schnell an, was 1977 eine dramatische Rettungsaktion für eingeschlossene Höhlentaucher notwendig machte. Die bekannte Länge der Höhle beträgt 4.382 m.

Je nach Wasserstand können bis zu 80 Meter begangen werden. Bei einer Exkursion sind jedoch trittsichere, wasserfeste Schuhe und lichtstarke Taschenlampen dringend empfohlen. Das tiefere Erforschen der insgesamt 4.382 Meter langen Höhle mit ihrem Labyrinth aus Gängen, Kriechstellen, Hallen und unterirdischen Seen verlangt nach Tauchausrüstung und ist erfahrenen Höhlentauchern vorbehalten.

Auf der Tras­se der Um­ge­hungs­stra­ße der B10 um Eis­lin­gen wur­den in den Jah­ren 2002 bis 2004 zahl­rei­che Über­res­te von Fisch­sau­ri­ern ge­bor­gen. Funde aus die­ser etwa 181 Mil­lio­nen Jahre alten Schicht des Un­te­ren Jura  „To­ar­ci­um“ sind re­la­tiv sel­ten. Hinzu kom­men meh­re­re Be­son­der­hei­ten wie der vor­züg­li­che Er­hal­tungs­grad ohne De­for­ma­tio­nen, neue Arten und eine schlüs­si­ge Theo­rie zum Mas­sen­ster­ben.

Mehr Infos hier: www.eislingen.de/Saurier

Zeugenberge wie der Hohenstaufen zeugen vom Werden und Wandel unserer Landschaft. Vor über 15 Millionen Jahren, als die Nordkante der Alb, der Albtrauf, noch weiter im Norden lag, war der Hohenstaufen kein freistehender Berg, sondern Teil der damaligen Albhochfläche. Das Flussnetz dieser Zeit müssen wir uns hunderte von Metern über den heutigen Talsohlen vorstellen. Der erosionskräftige Neckar mit seinen Nebenflüssen, Fils und Rems, nagt seither von Norden an der Alb und drängt den Albtrauf nach Südosten zurück, um etwa zwei Millimeter jährlich.

Er ist neben dem Rechberg und dem Stuifen der westlichste der Drei Kaiserberge.

Mehr Infos: Faltblatt_NSG_Spielburg.pdf

Unterhalb des Göppinger Wahrzeichens, dem Hohenstaufen, befindet sich das Naturschutzgebiet "Spielburg".

An der Südwestseite des Hohenstaufens liegen die markanten Weißjurafelsen der Spielburg, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren als Scholle vom Hohenstaufen abgeglitten sind.

Diese Scholle ist heute ein toller Aussichtspunkt mit einer Felsenhöhe von 15 Metern, von welchem man einen atemberaubenden Ausblick über Täler und Wiesen. Bei gutem Wetter reicht der Blick sogar bis zur Landeshauptstadt.

Tagsüber kann die Idylle und Ruhe über den Dächern von Göppingen genossen werden. In den Abendstunden lassen sich auf der Spielburg romantische Augenblicke unter dem Sternhimmel erleben.

 

Das Alter der Höhle wird auf ca. 8.300 Jahre geschätzt.

Im Jahre 1895 wurde die Höhle für den Publikumsverkehr erschlossen. Durch Sprengungen wurden enge Schlurfe erweitert, Bretter über die Wasserstellen gelegt und gangbare Wege geschaffen. Innerhalb kurzer Zeit war dann die Höhle ihres Tropfsteinschmuckes beraubt. Um die Höhle heute zu besichtigen, kann im Rathaus ein Schlüssel für die Höhle abgeholt werden.

Im Jahr 1961 konnte fünf Meter vor diesem Ende nach rechts unter den Fels ein Schluf freigelegt werden, der in einen weiteren Höhlenteil führt. Der unberührte Tropfsteinreichtum in diesem neuentdeckten Teil der Höhle lässt ahnen, wie einzigartig früher die ganze Höhle gewesen sein musste, bevor sie verwüstet wurde.

Aus naturschutzrechtlicher Sicht ist das Betreten der Höhle in den Wintermonaten vom 01.10. - 31.03. nicht gestattet.

Mehr Infos: Gemeinde Mühlhausen i.T.